Professionelle ADHS-Diagnostik für Erwachsene
Jetzt loslegenFür alle Erwachsenen mit behandlungsbedürftiger ADHS wird eine primäre Behandlung mit Psychostimulanzien empfohlen. Das heißt, Medikamente sind die 1. Wahl, nicht Psychotherapie. Aber natürlich gehen die Wünsche der Patient*innen immer vor. Wer keine Medis will, muss auch keine nehmen. Außerdem gibt es bestimmte Erkrankungen oder andere Kontraindikationen, die eine Behandlung mit Psychostimulanzien ausschließen. Dies muss immer mit einem Psychiater oder einer Psychiaterin geklärt werden. Findet eine Behandlung statt, kommen Methylphenidat (Ritalin, Medikinet) oder Lisdexamphetamin (Elvanse) am häufigsten zum Einsatz. Diese Medikamente fallen häufig unter das Betäubungsmittelgesetz, und sind daher nicht ganz einfach zu bekommen. Üblicherweise verschreibt Dir Dein Psychiater diese. Die Medis sind aber keine "Ruhigsteller" oder Medikamente, die einen "stumpf im Kopf" machen. Ganz im Gegenteil. Psychostimulanzien machen eher wach, und sind aktivierend. Bekannte, ähnlich wirkende Stoffe sind Koffein oder Amphetamine. Diese Stoffe sorgen dafür, dass mehr Dopamin im Kopf vorhanden ist - lindern damit also die Symptome einer ADHS. Die meisten Patient*innen finden die Wirkung ihrer Medis sehr angenehm. Auch für die "sekundären Symptome" kann es gut sein, die Medikamente zumindest mal zu testen um zu verstehen: "Ach so, das ist mein Gehirn ohne ADHS, so erleben andere Menschen die Welt". Natürlich haben alle diese Medikamente auch Risiken und Nebenwirkungen. Eine intensive Beratung beim Arzt Deines Vertrauens ist hier unerlässlich.
Psychotherapie soll bei Menschen mit ADHS nicht die Erkrankung heilen, sondern Hintergrundwissen vermitteln, und helfen, mit den Problemen durch die ADHS besser umzugehen. Strategien für den Alltag, zur Reduktion von Ablenkbarkeit, Verbesserung der Planungsfähigkeit und zum Stressmanagement sollen in der Therapie gelernt werden.
Fast wichtiger finde ich den Umgang mit belastenden Gedanken und dem Selbstwert, den Menschen mit ADHS im Laufe ihres Lebens erworben haben, und unter denen sie leiden. Ich sage immer: Es geht nicht darum, den Patient*innen zu vermitteln, wie sie weniger "krank" sein können. Es geht darum den Patient*innen zu zeigen, dass sie okay sind.

Betroffene sollten auf ausreichend Schlaf, eine gesunde und ausgewogene Ernährung und vor allem Sport achten. Viele Menschen berichten, dass durch regelmäßigen Sport eine deutliche Verbesserung der Symptomatik erreicht wird. Das ist in der Tat nicht nur so "dahergesagt", so wie die Standardfloskeln bei vielen Erkrankungen. Gerade mit ADHS vergessen die Menschen manchmal das Essen, oder bleiben zu lange wach. Verständlich, das Spiel ist gerade spannend. Eine Folge der Serie kann ich doch noch schauen. Allerdings verstärken Müdigkeit und Erschöpfung die ADHS-Symptome, genau wie es bei Menschen ohne ADHS der Fall wäre. Dadurch kommt man aber später oder am nächsten Tag leicht in die "rote Zone", in der die Symptome so stark sind, dass gar nichts mehr geht. Und das wiederum aktiviert dann wieder dysfunktionale, schädliche Gedanken und Selbstbilder. Also: Menschen mit ADHS sollten besonders auf strukturierte, regelmäßige Selbstfürsorge achten.